
Unsere Kita Ströhen hat für uns als Träger einzigartiges Angebot: Wassergewöhnung ab dem Krippenalter. Dafür arbeitet die Einrichtung eng mit der Wasserwacht Wagenfeld zusammen.
„Wassergewöhnung gab es hier seit der Gründung in den 70er Jahren immer schon“, erzählt Einrichtungsleitung Susan Bohn. „Vor ein paar Jahren haben wir das Konzept aber noch einmal grundlegend überarbeitet und unser aktuelles Wassergewöhnungskonzept entwickelt, mit dem wir bis heute sehr glücklich sind.“
Das Konzept sieht vor, dass die Wassergewöhnung in der Kita Ströhen bereits in der Krippe bei den Kleinsten beginnt. Im letzten Kita-Jahr haben dann alle Vorschulkinder die Möglichkeit, einmal die Woche ins Hallenbad zu gehen. Für viele der Kinder ist das ein echtes Highlight. „Uns kommt es nicht darauf an, dass die Kinder bei uns in der Einrichtung schwimmen lernen“, erklärt Susan Bohn. „Stattdessen ist uns wichtig, dass die Kinder lernen, ihre Angst im Umgang mit Wasser abzubauen. Sie sollen erfahren, dass das Element Wasser etwas Positives ist, das sie selbst gern nutzen.“ Viele Kinder hätten zunächst einmal Angst vor Wasser, berichtet die Kita-Leitung. Dabei gehe es gar nicht nur um das tiefe Wasser im Schwimmbad, auch Spritzwasser oder nasse Füße bereiten einigen Kindern Probleme.
Mit dem Wassergewöhnungskonzept werde dieser Angst auf spielerischer Weise begegnet. „In unserem Kita-Alltag sieht das dann beispielsweise so aus, dass die Kinder bei gutem Wetter draußen mit unserer Wasserbahn und der Matschanlage spielen können oder wir an warmen Tagen das Planschbecken aufbauen. Drinnen haben wir außerdem in einem Waschraum eine Wasserexperimentierecke eingerichtet und wir nutzen Wasser für zum Beispiel Farbexperimente, wir spielen mit Wasserperlen oder wir machen spezielle Wahrnehmungsübungen mit Wasser.“ Die Wasserangebote werden altersspezifisch gestaltet und finden häufig mehrmals die Woche statt, damit alle Kinder der Einrichtung daran teilnehmen können.
Das Highlight ist für die meisten aber der regelmäßige Hallenbadbesuch im letzten Kitajahr. Hier fahren die Vorschulkinder einmal die Woche ins Hallenbad nach Wagenfeld. Ermöglicht wird dies unter anderem durch die gute Zusammenarbeit mit dem Bademeister des Schwimmbads und der Wasserwacht Wagenfeld. Roland Bonk, Bereitschaftsleiter der Wasserwacht Wagenfeld und Landesbeauftragter der Wasserwacht Niedersachsen erzählt: „Die Mitarbeitenden der Kita Ströhen haben im November 2021 erfolgreich ihre Prüfung für das Rettungsschwimmabzeichen bei uns abgelegt und kommen seitdem jährlich zur Auffrischung beziehungsweise zum Nachweis der Rettungsfähigkeit zu uns.“
Die Vorschulkinder machen sich einmal die Woche gemeinsam mit mindestens drei Mitarbeitenden auf ins Schwimmbad, wo der Bademeister auf sie wartet. Die tatsächliche Zahl ist abhängig vom Personalschlüssel. Wichtig ist aber, dass immer eine Person draußen am Beckenrand steht und zusätzlich aufpasst. „Uns ist hierbei besonders wichtig, dass die Kinder wirklich von sich aus dabei sein wollen und nicht nur auf Wunsch der Eltern mitfahren“, sagt Susan Bohn. „Wenn ein Kind in einer Woche mal keine Lust hat oder sich nicht wohl fühlt, ist das völlig in Ordnung, dann darf es in der Einrichtung bleiben und muss nicht mit ins Schwimmbad fahren.“ Zwang und Druck seien ihrer Meinung nach beim Thema Wasser und Schwimmen absolut fehl am Platz. Deswegen gehe es bei der Wassergewöhnung auch nicht darum, schwimmen zu lernen oder das Seepferdchen-Abzeichen zu machen. „Einige Kinder können am Ende ihrer Kitazeit durchaus schwimmen und schaffen ohne weiteres ihr Seepferdchen. Hier sind aber die Eltern gefragt.“

Worum es dem Team aus Ströhen stattdessen geht, ist, dass sich die Kinder mit Freude angstfrei im Wasser bewegen. Marsinah Karger begleitet als Erzieherin mit Rettungsschwimmer die Kinder wöchentlich. Sie erzählt: „Wenn wir ins Schwimmbad kommen, wartet der Bademeister bereits auf uns und stellt uns den Beckenboden so ein, wie wir ihn haben wollen. Wir starten dann damit, dass alle Kinder nacheinander ins Wasser gehen – ohne Schwimmhilfe und so, wie sie wollen. Manche Kinder springen dann ins Wasser, manche lassen sich vom Beckenrand ins Wasser gleiten und andere gehen vorsichtig über die Leiter rein. Anschließend machen wir gemeinsam einen Morgenkreis und ein Kind darf aussuchen, wie wir uns begrüßen und was wir spielen wollen. In diesem Kitajahr war das Guten-Morgen-Lied besonders beliebt, bei dem wir uns bewegen und im Wasser Wellen erzeugen, pusten, singen und auch tauchen.“
Nach dem Morgenkreis werden verschiedene Spiele gespielt. Bei einem sehr beliebten Spiel stellen sich die Kinder als Schlange in eine Reihe und der Kopf der Schlange versucht den Schwanz zu packen. Bei einem anderen Spiel geht es darum, im Wasser zu erkennen, welches Motiv auf einer Karte abgebildet ist, die auf dem Beckenboden liegt. „Das animiert die Kinder, im Wasser ihre Augen zu öffnen“, so Marsinah Karger. Anschließend gibt es Zeit fürs freie Spiel. „Wir achten wirklich sehr darauf, dass es keinen Zwang gibt. Wenn ein Kind sich nicht wohlfühlt, ist es völlig okay, wenn es vom Beckenrand aus zuschaut. Wichtig ist, dass die Kinder einen entspannten Umgang mit dem Wasser lernen. Wenn sie Angst haben, zieht sich diese Angst häufig bis ins Erwachsenenalter.“ Rund eine Stunde sind die Kinder im Wasser, ehe es für sie nach einem gemeinsamen Frühstück wieder zurück in die Kita geht.
„Wir als Wasserwacht freuen uns, dass es dieses Angebot in Ströhen gibt“, sagt Roland Bonk. Gemeinsam mit seinem Team der Wasserwacht Wagenfeld ist er zuständig für die Wasserrettung am Dümmer See und die Unterstützung des Hallen- und Freibads Wagenfeld während der Sommermonate. „Unserer Meinung nach ist es elementar, dass Kinder in diesem Alter das Schwimmen lernen. Wir würden uns auch wünschen, dass andere Kitas dem Beispiel unserer DRK-Kita folgen würden.“ Er führt weiter aus: „Das Seepferdchen allein ergibt noch keinen guten Schwimmer, das ist erst der Anfang. Deswegen muss über das Elternhaus oder die Schule eine weitere Förderung stattfinden“, so Roland Bonk.